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Fünf Rheinländer auf dem Weg zum Dom

Was hat der Dom mit Bergsteigen zu tun, werden sich jetzt manche fragen. Sehr viel, denn mit dem Dom ist nicht der Kölner Dom, sondern der höchste ganz auf Schweizer Boden gelegene Berg gemeint. Stolze 4.545 m misst der Gipfel, technisch nicht schwer, aber dafür eine echte Herausforderung an die eigene Kondition. Der Aufstieg vom Tal bis zum Gipfel mit 3.160 Höhenmetern ist der längste Gipfelanstieg in den Westalpen! Im Spätsommer 2004 fanden sich also vier Bergsteiger aus der Sektion Rheinland-Köln zusammen, die unter der Führung von Fachübungsleiter André Hauschke den Dom besteigen wollten. Wir vier – Klaus Weber, Klaus Berthold, Mick Holzhueter, Andreas Borchert – hatten schon ausreichend Berg- und Gipfelerfahrung, aber ein Viertausender fehlte uns allen noch im Tourenbuch. Und es sollte ein besonderer Berg sein, bei dem sich die technischen Schwierigkeiten in Grenzen hielten und den wir ohne Zuhilfenahme von Seilbahnen besteigen konnten, also „by fair means“. Wenn schon ein Viertausender, dann ein Richtiger, sagten wir uns. So war das Domprojekt 2004 für uns geboren.
Am 26. August brachen wir am frühen Nachmittag bei durchwachsenen Wetter von Euskirchen auf, mit den Aussichten des Wetterberichtes, das wir eigentlich in den nächsten Tagen gutes Wetter haben sollten. Am nächsten Morgen lachte uns dann auch tatsächlich die Sonne entgegen. Wir hatten Unterkunft gemacht im Hotel Bergfreund in Herbriggen, denn hier trifft sich die komplette Bergsteigerszene. Ob Bergführer, Bergschulen oder Bergsport-Reiseveranstalter, das Hotel Bergfreund ist die erste Adresse im Mattertal (Wallis) und man ist stets unter Gleichgesinnten.
Wir hatten natürlich nicht vor direkt auf den Dom zu steigen, sondern wollten und mussten uns erst einmal akklimatisieren. Dafür sollte dann eine Zweitagestour auf den Alphubel (4.206 m) ausreichen. Wir wussten das eine Tour auf den Alphubel in dem Sinne keine Eingehtour ist, geschweige eine optimale Höhenanpassung, doch wir waren alle gut im Training und André beruhigte uns mit den Worten: Das passt schon.
dom01Ich hatte mich auch extra 6 Wochen vorher auf dem Stepper und Fahrrad im Fitnessstudio gequält, weil ich wusste das wir ein straffes Programm mit einigen Höhenmetern vor uns hatten. Im Nachhinein war ich dann doch froh, das ich mich so gut vorbereitet hatte.
Damit wir am Anfang nicht ganz so viele Höhenmeter machen mussten ließen wir es bei strahlenden Sonnenschein locker angehen. Rudi, der Hotelbesitzer, fuhr uns mit dem VW-Bus bis zur oberen Täschalp (2.214 m), von der wir uns dann auf dem Weg zur Täschhütte (2.701 m) machten. Zum erstenmal lachten uns die richtig hohen Viertausender entgegen u.a. der Paradegipfel des Weishorn (4.505 m). Der Aufstieg zur Täschhütte war nach ca. 500 Höhenmetern recht schnell erreicht und wir hatten gerade erst mal Mittagszeit. Nachdem wir schon mal unser Nachtlager besichtigt hatten beschlossen wir noch etwas höher bis zum Gletscherrand zu gehen. So wussten wir schon mal den Weg, den wir am nächsten Morgen – oder sollte ich Nacht sagen – gehen würden. Das waren dann noch mal ca. 500 Höhenmeter und für unsere Akklimatisierung optimal, weil wir zum Schlafen wieder zur Hütte abstiegen. Auf dem Weg zum Gletscher wurde mit zunehmender Höhe auch das Panorama immer gewaltiger. Erstmals tauchte auch das Matterhorn (4.478 m) in unser Blickfeld auf. Majestätisch blickte es zu uns mit seinem markanten Hörnligrat herüber. An einem kleinen Eissee am Gletscherrand machten wir auf einer Höhe von ca. 3.300 m Pause. Man merkte jetzt schon etwas die Höhe, immerhin war wir noch 24 Stunden zuvor fast auf Meeresspiegelhöhe gewesen. Aber wir fühlten uns fit und keiner hatte ernsthafte Beschwerden. So stiegen wir wieder etwas ab um noch ein paar Sicherheitsübungen mit dem Seil für unsere morgige Gletschertour zu machen. Abschließend ging es dann gemütlich zurück zur Täschhütte.

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Wer noch nie auf einer Schweizer Hütte war, der wundert sich wahrscheinlich über die sanitären Einrichtungen. Es ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache auf ein Plumpsklo zu gehen bzw. sich unter freien Himmel zu waschen. Aber so ist das halt auf den höhergelegenen Hütten in der Schweiz,
da sollte man nicht unbedingt in der Nacht mehrmals rausmüssen. Wie wir später feststellen durften, gibt es allerdings bei den sanitären Einrichtungen auch Unterschiede. Dementsprechend abschreckend war es auf der Täschhütte. Hätte man hier drin ein Feuerzeug angemacht, dann hätte man garantiert einen Freiflug bis zum Alphubel gebucht, weil einem das Klo im wahrsten Sinne unter dem Allerwertesten weggeflogen wäre. Da hieß es dann nur: Augen zu und durch.
Am nächsten Morgen war die Nacht um 3:30 Uhr vorbei. An richtiges Schlafen ist auf so hoch gelegenen Hütten sowieso nicht zu Denken, aber es war relativ wenig los und wir hatten in unserem Lager genügend Platz gehabt. Für alle – außer André – waren das neue Erfahrungen, denn solche Aufstehuhrzeiten werden hauptsächlich in den Westalpen gepflegt. Die Aufstiege sind lang und man weiß später am Tag warum man so früh losgegangen ist. Auf uns warteten über 1.400 Höhenmeter Aufstieg und unser erster Viertausender. Bei Vollmond stiefelten wir schweigsam zum zweitenmal zum Gletscherrand. Der Mond schien so hell, das wir unsere Stirnlampen hätten ausschalten können. Es waren nicht viele Seilschaften unterwegs und so erreichten wir fast alleine die Gletscherzunge. Wir banden uns ein und zogen unsere Steigeisen an, während langsam die Sonne am Horizont aufging. Ehrfurchtsvoll wanderte unser Blick zu den gegenüberliegenden Viertausendern hinüber. Das Morgenlicht lies sie bläulich-violett erstrahlen und alleine für diesen Anblick hatte sich die Tour schon gelohnt. Auf knallharten, knirschenden Firn machten wir uns auf dem Weg zu unserem ersten Viertausender. Der Weg bis zum Alphubeljoch ist nicht technisch schwer, man sollte jedoch eine sichere Steigeisentechnik haben, denn immer wieder gilt es zu Queren und zu steigen. Mit den ersten Sonnenstrahlen erreichten wir das Joch auf einer Höhe von ca. 3.800 m. Hier hatten wir uns erst mal eine Pause verdient, denn 1.100 Höhenmeter lagen schon hinter uns. Ich fühlte mich topfit, aber es gab auch schon bei dem ein oder anderen Bergkameraden leichte Begleiterscheinungen in Form von Kopfschmerzen. Wir hatten die magische Grenze von 4.000 m aber noch nicht durchbrochen, wie würde es weitergehen ? Wichtig war jetzt auch das Trinken in der Höhe. Meine Kollegen hatten alle Camelbags in ihrem Rucksack, ich komme damit nicht klar und hatte meine normalen Sigg-Flaschen und eine Thermosflasche dabei. In den Siggs hatte sich schon Eis gebildet, aber der Tee in der Thermosflasche war noch schön heiß. Meine guten Powerbar-Riegel konnte ich aber nur noch als Schlagstock benutzen so hart waren sie gefroren. Mit zunehmender Höhe wurde es natürlich auch immer kälter und deshalb hielten wir uns auch nicht zulange auf. Wir genossen noch mal den Blick auf das Strahlhorn und das Allalinhorn und machten uns wieder auf den Weg. Wir wollten den Normalweg nehmen und nicht über die Nase – ein Grataufstieg – aufsteigen.

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Es war unser erster Viertausender und da sollte man es nicht gleich übertreiben. Wir querten unter dem Alphubel, zur rechten Seite das Tal von Saas Fee, bis wir zum steilen Gipfelaufschwung kamen. Hier ereichten wir auch die magische 4 und mit ihr begannen unsere Probleme. Nachdem Mick schon auf der Hütte mit leichten Kopfschmerzen zu tun hatte, blieb ihm jetzt langsam die Luft weg. Und das im geraden steilsten Abschnitt der Tour. So kamen wir auf den letzten 150 Höhenmeter nur recht langsam voran. Mick ging 10 Schritte und musste dann eine Pause machen, in diesem Intervall und mit viel gutem Zureden erreichten wir glücklich den Gipfel. Anscheinend erging es anderen Bergsteigern noch schlechter, denn am Wegesrand sah man häufiger Reste vom Hüttenfrühstück liegen. Am Gipfel wurde das obligatorische Gipfelfoto gemacht, aber aufgrund des Windes stiegen wir wieder schnell unter den windgeschützten Grad ab. Der Blick von Gipfel reichte bis zur Mont-Blanc-Gruppe, auf der anderen Seite grüßten uns Eiger, Mönch und Jungfrau entgegen, es war einfach fantastisch. Direkt gegenüber stand unser großes Ziel, der Dom nebst seinem Nachbar, dem Täschhorn. Als wir abstiegen kamen uns einige Seilschaften entgegen bei den wir nur die Köpfe schüttelten. Ihre Anseilmethoden waren einfach haarsträubend und nicht in Worte zu fassen. Ein älterer Bergsteiger sicherte sich zusätzlich mit einer Reepschnur vom Handgelenk zum Seil, was immer das auch bringen sollte. Im Falle eine Spaltensturzes hätte er in Zukunft einhändig essen dürfen, falls er es überlebt hätte.
Der Abstieg zur Täschhütte entwickelte sich dann zum langen Schneehatscher, bzw. im unteren Teil zum Tanz auf aperen Eis. Die starke Sonneneinstrahlung trug im oberen Teil dazu bei, das der Schnee aufweichte und auf der Gletscherzunge teilweise ganz verschwunden war. Nach einer Erholungspause auf der Täschhütte ging es dann noch die restlichen 500 Höhenmeter zur Täschalp zurück wo schon unser Bergtaxi von unserem Hotel Bergfreund wartete um uns abzuholen. 1.500 Höhenmeter Aufstieg und 2.000 Höhenmeter Abstieg lagen an diesem Tag hinter uns, wir hatten unseren ersten Viertausender geschafft und waren zufrieden, obwohl wir wussten das ein noch schwererer Brocken auf uns wartete. Immerhin sollte der Alphubel nur unsere Eingehtour für den Dom gewesen sein...

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Am nächsten Morgen machten wir uns vom Hotel Bergfreund auf dem Weg zur Domhütte. Rudi fuhr uns erst mal in das Örtchen Randa von wo der Aufstieg beginnt. Alleine der Weg zur Domhütte hat schon einen hochalpinen Charakter und steht so mancher Gipfelbesteigung in den Ostalpen an Schwierigkeiten nicht nach. In gut 5 - 6 Stunden müssen ca. 1.500 Höhenmeter bewältigt werden. Vom Tal an stets steil ansteigend, anfangs durch Wald bis man irgendwann an der Abzweigung
zur Europahütte herauskommt. Ab hier nehmen die Schwierigkeiten zu und man sollte spätestens jetzt die Hände aus den Taschen nehmen. Am festen Fels geht es auf einer Art Klettersteig mit Seilsicherungen und sogar einer Leiter über Stufen, Rinnen und Bändern steil hinauf zur originell in Form eines Bergkristalls gebauten Domhütte (2.940 m). Das Wetter spielte an diesem Tag nicht mit und so hangelten wir uns im Nebel und Graupel den Steig empor. Als Entschädigung begrüßte uns ein mächtiger Steinbock, der plötzlich über uns auftauchte und unsere Kraxeleinlagen beobachtete. An der Domhütte angekommen verschlechterte sich das Wetter mehr und mehr.
Inzwischen gab es zum Nebel noch stürmischen Schneeregen und wir waren in Sorge für den kommenden Tag. Die Wettervorhersage sagte uns gutes Wetter voraus, daran war aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu denken. Es hatten sich nur ein paar Bergsteiger auf der Hütte eingefunden und so hatten wir wieder ausreichend Platz im Lager. Beim Abendessen blickten wir überrascht nach draußen als ein neuseeländisches Paar es sich vor der Hütte gemütlich machte und biwakierte. Im eiskalten, stürmischen Schneeregen kochten sie ihr Süppchen und ließen sich nichts anhaben. Respekt.
Wer schon mal auf der Domhütte war, der kennt auch den Hüttenwirt Franz Brantschen. Ein Unikum, alleine schon durch sein äußeres Erscheinungsbild auf den ersten Blick furchteinflössend. Genauso war auch sein Weckruf morgens um 3:00 Uhr, der uns nach einer sowieso schlecht geschlafenen Nacht aus dem Lager riss. Am Dom geht man früh los und das muss man auch. Es stehen noch mal ca. 1600 Höhenmeter bevor und der Normalweg hinauf ist lang, sehr lang. Wir hatten am Vorabend vom Hüttenwirt schon ein paar ausreichende Warnungen mit auf dem Weg bekommen. Tags zuvor wurde ein Bergsteiger von herabstürzenden Steinen am Aufstieg zum Festijoch durch vorsteigende Seilschaften schwer verletzt und musste ausgeflogen werden. Eine Woche vorher harrten zwei Bergsteiger stundenlang in einer Gletscherspalte aus, bis zufällig ein Bergführer sie fand und befreite. In der Nacht musste ich selber erleben, wie sich ich auf meinen nächtlichen Gang zur Toilette um 22:00 Uhr zwei Stirnlampen von der Seitenmoräne der Hütte näherten. Die Sommersaison am Dom ist nur kurz, er gilt als WS (wenig schwierig), aber die Höhe, die Länge der Tour und die Wetterverhältnisse (er ist bekannt als kalter Berg mit Schneestürmen) machen seine Schwierigkeiten aus.
Am Morgen erfuhr ich dann, das Klaus nicht mitgehen würde, er wollte auf der Hütte bleiben.
Als wir uns nach einem kargen Frühstück in kalter Hütte nur noch zu Viert auf dem Weg machten waren die Regenwolken wie weggewischt. Es hatte über Nacht gefroren und der Himmel war sternenklar. Der Vollmond leuchtete den beschwerlichen Weg über die Moräne zum Gletschereinstieg.
Plötzlich teilte uns Mick mit, das er sich nicht fit fühlte und auch nicht weitergehen würde. Er hatte schon am Alphubel Schwierigkeiten mit der Höhe gehabt und heute wollten wir noch eine Etage höher. Nur noch zu Dritt erreichten wir den Gletscher, zogen unsere Steigeisen an und seilten uns an. Rund um uns herum wurden die Berge vom Vollmond angeleuchtet: Matterhorn, Zinalrothorn, Weisshorn, Bishorn usw.

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Mäßig ansteigend ging es auf dem Festigletscher bis zu einem felsigen Aufschwung unter dem Festijoch. Hier mussten wir erst mal im brüchigen Fels klettern bis wir den Grat zwischen Festigletscher und Hohberggletscher erreichten. Weiter ging es luftig über ein ansteigendes Bändchen (II) zu einem Absatz und hinab ins Festijoch. In diesem Kletterabschnitt bestand absolute Steinschlaggefahr, wurde doch hier ein paar Tage zuvor der verunglückte Bergsteiger von Steinen vorsteigender Seilschaften getroffen. Wir waren froh, als wir diesen Felsaufschwung sicher geschafft hatten und das Festijoch (3.723 m) erreichten. Hier muss man sich entscheiden, ob man den kürzeren Weg über den Festigrat (II) nimmt oder den langen, beschwerlichen Gletscheraufstieg. Wir entschieden uns für die Tour über den Hohberggletscher und marschierten los. Es waren nur zwei Seilschaften vor uns unterwegs, eine konnten wir in weiter Ferne auf dem Gletscher sehen, die andere ging über den Festigrat. Nach einiger Zeit ging es unter mächtigen Seracs vorbei, und wir beeilten uns aus ihrer Reichweite zu kommen. Mit zunehmender Höhe nahm der Wind zu. Die Sonne schien, aber der Wind stürmte auf und blies uns den Neuschnee entgegen. Unter dem Lenzjoch ging es in südlicher Richtung weiter dem Gipfelaufbau entgegen. Inzwischen hatte sich der Wind zu einem Sturm ausgedehnt. André setzte im Neuschnee eine Spur, die bei mir als Seildritten schon wieder verweht war. So stapften wir steil über die Gletscherhänge nach oben. Vor uns sahen wir die zwei anderen Seilschaften und bemerkten plötzlich, wie eine Seilschaft im Sattel zwischen Vor- und Hauptgipfel umdrehte. 200 Meter über uns hatte sich ein Höhensturm entwickelt. Eine mächtige Windfahne zog über den Gipfel. In einem Steilaufschwung trafen wir dann auf die zurückkehrende Seilschaft. An aufrechtes Stehen war nicht mehr zu denken, vorgebeugt tauschten wir uns kurz aus und sie teilten uns mit, das es oben am Vorgipfel einfach zu stürmisch sei um weiterzugehen. Wir wollten aber so einfach nicht aufgeben und setzten unseren Aufstieg fort.
Am Vorgipfel machten wir wieder eine kurze Pause. Hier wehte der Sturm am heftigsten und wir hockten uns einfach erst mal hin um zu beratschlagen. Man konnte kaum das eigene Wort verstehen und wir einigten uns darauf einen Versuch zu wagen. Der Hauptgipfel ist ein steiler Aufschwung mit ca. 45 ° Grad Neigung, bei optimalen Bedingungen also nichts Dramatisches. Heute aber forderte er unsere volle Aufmerksamkeit und mir schauerte es schon vor dem Abstieg. Sturmdurchpeitscht erreichten wir dann doch wenig später den Gipfel. Wir waren überglücklich es doch geschafft zu haben und standen jetzt endlich auf dem höchsten Schweizer Berg. Um uns herum schauten wir auf die umliegenden Gipfel von Täschhorn, Alphubel, Allalinhorn, Strahlhorn sowie im Norden die Nachbarn der Lenzspitze, Nadelhorn und Hohberghorn. Nachdem wir unser Gipfelfoto geschossen hatten machten wir uns schleunigst auf den Rückweg. Er sollte noch sehr lang und beschwerlich werden, ein wahrer Schinder durch den aufgeweichten Schnee. Konditionell völlig ausgelaugt erreichten wir Stunden später den Gletscherrand, wo uns schon Klaus und Mick erwarteten. Erschöpft aber rundum glücklich erreichten wir die Hütte. Wir übernachteten noch eine Nacht auf der Hütte und stiegen am nächsten Morgen bei leichten Nieselregen wieder ab. Das Wetter war uns wirklich hold gewesen und hatte uns trotz Sturm den einen Tag für die Dombesteigung geschenkt. Im Hotel Bergfreund angekommen erzählte uns ein Bergführer, der uns von der Lenzspitze gesehen und beobachtete, das es bei ihm nicht so stürmisch war, aber bei uns muss ja ganz schön was losgewesen sein, bei der Windfahne die um den Dom brauste. Wir nickten nur und ich war noch ein bisschen stolzer als zuvor. Meine Kollegen verabschiedeten sich von André und mir, denn sie wollten noch am Nachmittag zurückfahren. André nahm sich für die nächsten zwei Tage mit zwei Freunden noch das Zinalrothorn vor und ich gönnte mir noch eine Ortsbesichtigung in Zermatt. Erst am nächsten Tag wollte ich nach Serfaus fahren, wo unsere Sektion das 75-jährige Hüttenjubiläum des Kölner Hauses feierte, getreu nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen...


Text und Bilder: Andreas Borchert